Psychologie hinter Unterstützungs- und Widerstandsbereichen

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Die Konzepte von Unterstützung und Widerstand basieren stark auf der kollektiven Psychologie der Marktteilnehmer. Diese psychologischen Ebenen entstehen durch wiederkehrende menschliche Verhaltensmuster, die auf Emotionen wie Angst, Gier, Hoffnung und Reue basieren.


Habe Sie unseren ersten Artikel über die allgemeine Betrachtung von Unterstützung- und Supportbereichen (Zonen) bereits gelesen? Wenn nicht finden Sie diesen Artikel hier:


Psychologie der Unterstützung (Support)

Angst vor Verlusten und Kaufinteresse: Wenn der Preis eines Assets fällt und ein Unterstützungsniveau erreicht, treten häufig Käufer auf den Plan. Diese Käufer könnten aus verschiedenen Gründen handeln:

  • Schnäppchenjagd: Viele Trader und Investoren sehen einen fallenden Preis als Gelegenheit, günstig einzusteigen, besonders wenn der Preis ein Niveau erreicht, das in der Vergangenheit als Unterstützungszone fungierte.
  • Verlustbegrenzung und Angst: Trader, die bereits Positionen in diesem Bereich halten, könnten versucht sein, mehr zu kaufen, um ihre Positionen zu verteidigen und den Preis nicht weiter fallen zu lassen. Diese Reaktion basiert oft auf der Angst, weitere Verluste zu erleiden, wenn die Unterstützung durchbrochen wird.

Reue und das Bedürfnis nach Bestätigung: Ein weiteres psychologisches Element ist das Phänomen der Reue und das Bedürfnis nach Bestätigung. Wenn Trader in der Vergangenheit verpasst haben, zu einem bestimmten Unterstützungsniveau zu kaufen, könnten sie jetzt ihre Chance sehen, einzusteigen, was die Unterstützung weiter stärkt. Diese „Reuekäufe“ treten häufig auf, wenn der Preis erneut die Unterstützungszone erreicht, was das Kaufinteresse in dieser Zone verstärken kann.

Psychologie des Widerstands (Resistance)

Gewinnmitnahme und Verkaufsdruck: Wenn ein Preis steigt und auf einen Widerstandsbereich trifft, nehmen viele Trader Gewinne mit. Diese Aktion wird oft durch die Angst vor einem Verlust eines bereits erzielten Gewinns motiviert. Besonders in Bereichen, die zuvor als Widerstand fungiert haben, könnte die Erwartung, dass der Preis wieder sinkt, verstärkt werden.

  • Gewinne sichern: Trader, die frühzeitig eingestiegen sind, könnten die Gelegenheit nutzen, ihre Positionen zu schließen und Gewinne zu sichern.
  • Angst vor Korrekturen: Die Angst, dass der Markt eine Korrektur erfahren könnte, wenn er ein Widerstandsniveau erreicht, führt oft zu einer Zunahme des Verkaufsdrucks.

Hoffnung auf günstigere Einstiegspunkte: Gleichzeitig könnte bei einigen Tradern die Hoffnung bestehen, dass der Markt nach einem Rücksetzer wieder auf niedrigere Niveaus fällt, um erneut einzukaufen. Dies verstärkt den Widerstandsbereich, da potenzielle Käufer abwarten und damit die Nachfrage reduzieren.

Rollen von Institutionen und Market Makern

Die Bücher „The PlayBook“ von Mike Bellafiore und „Die Weltweiten Gesetze des Erfolgreichen Tradings“ von Brent Penfold liefern wichtige Einblicke in die Funktionsweise institutioneller Händler und Market Maker und deren Einfluss auf Unterstützungs- und Widerstandsbereiche (zur Bücherliste hier klicken!):

Institutionelle Händler und ihre Strategien

Institutionelle Händler wie Investmentbanken, Pensionsfonds und Hedgefonds handeln oft mit großen Volumina und müssen daher auf bestimmte Preisniveaus achten, um ihre Aufträge auszuführen, ohne den Markt zu stark zu beeinflussen. Laut Bellafiore in „The PlayBook“ müssen diese Akteure strategisch handeln, um ihre Positionen aufzubauen oder abzubauen, ohne zu viel Aufsehen zu erregen. Dies führt dazu, dass sie oft schrittweise kaufen oder verkaufen, was dazu beiträgt, dass bestimmte Preisniveaus wiederholt getestet werden und dadurch zu Unterstützungs- oder Widerstandsbereichen werden.

Market Maker und Liquidität

Market Maker spielen eine entscheidende Rolle bei der Bereitstellung von Liquidität im Markt. Penfold erklärt in seinem Buch, dass Market Maker bestrebt sind, den Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis) zu verdienen, indem sie immer bereit sind, sowohl zu kaufen als auch zu verkaufen. Sie müssen jedoch vorsichtig sein, um nicht in Positionen gefangen zu werden, die gegen sie laufen könnten. Daher beobachten sie Unterstützungs- und Widerstandsniveaus genau, um zu wissen, wann sie ihre Positionen absichern oder ausgleichen sollten. Wenn ein Preisniveau häufig als Unterstützung oder Widerstand fungiert, kann dies auch darauf hindeuten, dass Market Maker in diesem Bereich aktiv sind.

Kollektive Marktpsychologie und die Bedeutung der Masse

Die Bücher betonen auch die Bedeutung der kollektiven Marktpsychologie. Unterstützungs- und Widerstandszonen sind oft selbst erfüllende Prophezeiungen, weil so viele Marktteilnehmer sie beobachten und darauf reagieren. Wenn Trader glauben, dass ein bestimmtes Niveau halten wird, handeln sie entsprechend, was dazu führt, dass das Niveau tatsächlich hält – zumindest kurzfristig.

In unserem Beitrag Die Psychologie der Massen und ihr Einfluss auf den Börsenhandel sind wir noch tiefer in das Thema eingestiegen.

Massenpsychologie und Volumen: Große Volumen an Unterstützungs- oder Widerstandszonen verstärken diese Niveaus weiter, weil sie anzeigen, dass viele Trader bereit sind, in diesen Bereichen zu handeln. Dies schafft eine Art „psychologische Barriere“, die schwer zu durchbrechen ist, es sei denn, es gibt einen starken externen Anreiz (wie unerwartete Nachrichten oder wirtschaftliche Daten).


Zusammenfassung

Die Psychologie hinter Unterstützungs- und Widerstandsbereichen ist ein komplexes Zusammenspiel von menschlichen Emotionen und Verhalten. Angst, Gier, Hoffnung und Reue spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Festigung dieser Zonen. Institutionelle Händler und Market Maker tragen durch ihre strategischen Entscheidungen und die Bereitstellung von Liquidität ebenfalls zur Dynamik dieser Bereiche bei. Ein tiefes Verständnis der Psychologie, die diesen Konzepten zugrunde liegt, ermöglicht es Tradern, fundiertere Entscheidungen zu treffen und sich besser auf die Bewegungen des Marktes vorzubereiten.

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Matthias Stein-Schillling

Ich habe mich dem Thema Vermögensaufbau verschrieben. Mit über 10 Jahren Erfahrung an den Finanzmärkten habe ich mich im Bereich Futurehandel, Derivate- und Aktienhandel beschäftigt. Meine Schwerpunkte liegen auf der technischen Analyse mit Unterstützung von Algorithmen und generativer KI.

Um den Handel im Futurehandel zu perfektionieren, habe ich daytradermasterminds.com gegründet. Hier stellen wir die Top-Indikatoren und Algo-Bots bereit, welche dir helfen, riskobewusster zu Handeln.

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