Schwarzer Schwan oder Korrektur? Orientierung für Anleger in stürmischen Zeiten

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Ein Börsenhändler auf dem Parkett der New Yorker Börse: Weltweit dominieren am 3. April 2025 fallende Kurstafeln (Symbolbild). Die internationalen Aktienmärkte haben am 3. April 2025 einen massiven Einbruch erlebt. Eine Kombination aus neuen US-Strafzöllen und bestehenden Risiken hat global einen Ausverkauf an den Börsen ausgelöst. Leitindizes von Frankfurt bis New York gerieten stark unter Druck, Anleger suchten Zuflucht in sicheren Häfen wie Gold und Staatsanleihen. Insbesondere konjunktursensible Branchen – von Tech-Werten bis Automobilaktien – verzeichneten teils zweistellige Verluste. Im Folgenden beleuchten wir die aktuellen Entwicklungen, analysieren die Hintergründe, diskutieren mögliche Szenarien und geben einen Ausblick auf sinnvolle Anlagestrategien in dieser angespannten Marktlage.

Key Points

  • Globale Börsen im freien Fall: DAX, Nasdaq und Nikkei mit teils zweistelligen Verlusten
  • Ursache: US-Strafzölle unter Trump – Handelskrieg eskaliert
  • Besonders betroffen: Adidas, Puma, Tech- und Auto-Aktien im Abwärtsstrudel
  • Schwarzer Schwan oder Korrektur? Einschätzung der Marktexperten
  • Szenarien: Technischer Rebound, weitere Tiefs oder Seitwärtsphase
  • Handlungsempfehlung:
    • Für Trader: Volatilität nutzen, aber mit Disziplin und Risikobegrenzung
    • Für Anleger: Ruhe bewahren, Panikverkäufe vermeiden, ggf. selektiv nachkaufen
  • Wer jetzt überlegt handelt, kann Chancen erkennen – trotz Turbulenzen

Aktuelle Entwicklungen und Marktreaktionen

Die Kursverluste waren global breit angelegt und beträchtlich. Der deutsche DAX fiel bis Handelsschluss um rund 3 % auf 21.717 Punkte – der tiefste Stand seit Anfang Februar. Auch andere Leitindizes signalisierten einen deutlichen Risk-Off-Modus der Investoren: Der europaweite Euro Stoxx 50 rutschte um 3,6 % auf 5.113 Punkte ab. In New York eröffnete der Markt ebenfalls tiefrot – der Dow Jones Industrial gab zuletzt um etwa 3,3 % nach, während der technologielastige Nasdaq 100 sogar rund 4,4 % einbüßte. Zuvor hatten bereits die Börsen in Asien stark nachgegeben; der japanische Nikkei 225 fiel zeitweise um über 4 % auf ein Achtmonatstief, bevor er den Tag mit etwa −3 % beendete.

Auch auf Einzelwerte und Sektoren schlug die Verkaufswelle mit voller Wucht durch. Besonders unter Druck standen Unternehmen, die vom internationalen Handel und von globalen Lieferketten abhängig sind. So brachen im DAX die Adidas-Aktien um über 10 % ein, Puma verlor mehr als 12 % – beide Sportartikelhersteller litten darunter, dass wichtige Produktionsländer in Asien nun mit drastischen US-Zöllen belegt werden. Die in Frankfurt gehandelten Titel von Nike sackten sogar um rund 16 % ab. Ähnlich düster sah es im Technologiesektor aus: Schwergewichte der amerikanischen Tech-Industrie – von Apple über Amazon bis Nvidia – verbuchten Kursabschläge im hohen einstelligen Prozentbereich. Beispielsweise verlor Apple nach Bekanntwerden der Zollpläne zunächst rund 6–7 % an Wert und weitete sein Minus im Handelsverlauf zeitweise auf über 9 % aus . Auch andere US-Titel gerieten ins Taumeln; selbst mächtige Internet- und Chip-Konzerne wie Alphabet, Amazon oder Microsoft büßten zwischen ~4 % und 9 % ein. Zudem traf der Ausverkauf klassische Industriewerte in Europa: Autobauer (etwa VW, BMW oder Stellantis) und Chemieunternehmen wurden von Anlegern ebenfalls abgestoßen, da sie als besonders zoll- und konjunkturanfällig gelten.

Flankiert wurde die Aktien-Marktschwäche von deutlichen Bewegungen an den Rohstoff- und Devisenmärkten. Während wachstumsabhängige Rohstoffe wie Öl und Industriemetalle im Zuge der Konjunktursorgen billiger wurden, stiegen klassische „sichere Häfen“ im Wert: Der Goldpreis markierte in der Spitze ein neues Allzeithoch von über 3.160 US-Dollar je Unze, bevor kurzfristige Gewinnmitnahmen einsetzten. Auch am Anleihemarkt suchten Investoren Schutz – die Kurse deutscher Bundesanleihen zogen an und drückten die 10-jährige Bundesrendite auf den tiefsten Stand seit einem Monat. Bemerkenswert war zudem die Reaktion am Devisenmarkt: Der Euro wertete sprunghaft auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr (knapp 1,10 USD) auf. Experten der Dekabank erklärten dazu, der US-Dollar habe entgegen der üblichen Muster „nicht als sicherer Hafen profitiert“ – offenbar sähen Anleger „hauptsächlich Risiken für die USA“. Insgesamt zeigen die Marktreaktionen: Die Investoren schichten aus riskanten Anlagen um und stellen sich auf rauere Zeiten ein.

Ursachen: Zölle, Konjunktur und geopolitische Risiken

Auslöser der aktuellen Turbulenzen ist vor allem eine Eskalation im internationalen Handelskonflikt. US-Präsident Donald Trump hat ein beispielloses Paket neuer Strafzölle per Dekret erlassen, das faktisch alle US-Importe verteuert. Ab dem 5. April gilt ein Basiszoll von 10 % auf sämtliche Einfuhren in die USA; kurz darauf treten nochmals erhöhte Zölle für wichtige Handelspartner in Kraft – für die EU sind 20 %, für China sogar 34 % vorgesehen . Insgesamt werden 185 Länder mit Strafabgaben von bis zu 50 % belegt. Dieser Zoll-Hammer Trumps – intern als „Liberation Day“ inszeniert – stellt einen historischen Einschnitt dar: „Die Ankündigung […] ist der bislang aggressivste und folgenreichste Schritt in Trumps ohnehin rabiater Handelspolitik. Ein Handelskrieg mit der EU und anderen Staaten scheint unausweichlich“, kommentiert das Manager Magazin nüchtern. Entsprechend sprechen manche Beobachter bereits von einem möglichen „Wendepunkt im Welthandel“ – das „Ende der Globalisierung, wie wir sie kennen“, wie ein Experte die Lage drastisch einordnet. Die Furcht vor einer solchen protektionistischen Kehrtwende hat die Märkte in Alarm versetzt.

Neben den Zollängsten spielen allerdings auch makroökonomische Risiken und geldpolitische Faktoren eine Rolle. Schon vor Trumps Zollschock gab es Anzeichen, dass das globale Wachstum an Schwung verliert und 2025 holpriger verlaufen könnte. In Europa und China deuteten Indikatoren auf eine Abschwächung hin, während in den USA zwar zuletzt robuste Konjunkturdaten veröffentlicht wurden, aber die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung groß bleibt. Die neuen Handelsbarrieren verstärken nun die Sorge vor einer Rezession: So rechnen Analysten der UBS damit, dass im Extremfall das reale US-Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1,5 bis 2 Prozentpunkte geringer ausfallen und die Inflation auf fast 5 % steigen könnte, sollten die Zölle nicht bald zurückgenommen werden. Ein derartiges Stagflationsszenario (Stagnation bei gleichzeitiger Teuerung) würde die Gewinnperspektiven vieler Unternehmen schmälern und lastet daher bereits jetzt auf den Aktienbewertungen.

Gleichzeitig geraten die Notenbanken in ein Dilemma. Steigende Importpreise durch Zölle könnten den Inflationsdruck erhöhen, während die konjunkturelle Abkühlung eigentlich lockerere Geldpolitik erfordern würde. „Damit kommt es zu einem schwierigen Spagat für die US-Notenbank“, erklärt Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank. Einerseits dürften die Zölle die Verbraucherpreise treiben, andererseits drohe die US-Wirtschaft „unter der Zolllast merklich abzukühlen“. Vor diesem Hintergrund spekulieren Marktbeobachter, die Federal Reserve könnte ihren Zinserhöhungskurs unterbrechen – Fed-Gouverneurin Adriana Kugler plädierte angesichts der neuen Zollrisiken bereits für eine Pause bei weiteren Zinsschritten. In Europa verdichten sich sogar die Erwartungen, dass die EZB nochmals die Zinsen senkt, um konjunkturell gegenzusteuern: Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt um −0,25 auf dann 2,25 % Einlagensatz bei der nächsten EZB-Sitzung am 17. April wurde am Markt auf rund 90 % hochgeschraubt. Die geldpolitische Unsicherheit – also die Frage, wie Fed und EZB auf das fragile Umfeld reagieren – trägt ihr Übriges zur Nervosität der Investoren bei.

Schließlich schwelen im Hintergrund weiterhin diverse geopolitische Spannungen, die das Marktklima belasten. Der seit über einem Jahr andauernde Krieg in der Ukraine sorgt nach wie vor für Unsicherheit, insbesondere bei Energie- und Rohstoffpreisen, und dämpft die Stimmung an den europäischen Börsen. Auch in anderen Regionen bleiben Konfliktherde aktiv (etwa im Nahen Osten und im Verhältnis zwischen den USA und China über die Handelspolitik hinaus). Diese Faktoren sind zwar nicht unmittelbarer Auslöser des aktuellen Kurseinbruchs, bilden jedoch den Risiken-Unterbau, auf dem sich die jüngste Verkaufswelle entfalten konnte. In Summe treffen die neuen Zollmaßnahmen somit auf Märkte, die bereits von mehreren Seiten unter Stress stehen – ein explosiver Mix aus handelspolitischer Eskalation, konjunktureller Eintrübung, geldpolitischer Ungewissheit und geopolitischer Spannung.

Korrektur oder Krise? Einordnung der Kursverluste

Angesichts der heftigen Ausschläge stellt sich die Frage: Handelt es sich bei den jüngsten Kurskapriolen um eine normale Korrektur nach zuvor langer Rally – oder den Beginn einer tieferen Börsenkrise? Einige Marktbeobachter diskutieren sogar, ob hier ein sogenannter „Schwarzer Schwan“ im Anflug ist – also ein vollkommen unerwartetes Ereignis mit gravierenden Folgen. Tatsächlich kamen die Ausmaße von Trumps Zollpaket für viele überraschend, doch völlig unvorhersehbar war ein Handelskonflikt nicht: Bereits seit Wochen hatte Trump den 2. April markig als „Tag der Befreiung“ angekündigt und mit einem großen Zollschritt gedroht. Insofern ist der aktuelle Einbruch eher ein exogener Schock (durch politische Entscheidungen verursacht) als ein mysteriöser schwarzer Schwan.

Die Wucht der Marktreaktion war allerdings bemerkenswert und übertraf viele Erwartungen – was die Befürchtung nährt, es könne mehr dahinterstecken. Optimisten halten dagegen, dass die Kurse überreagiert haben könnten. „Nach aktuellem Informationsstand ist diese brachiale Korrektur eine Übertreibung“, meint etwa Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Netfonds AG. Diese Sichtweise impliziert, dass kein fundamentaler Zusammenbruch der Wirtschaft vorliegt, sondern die Märkte in Panik zeitweise überverkauft wurden. Tatsächlich haben große Indizes in den vergangenen zwei Jahren außergewöhnlich stark zugelegt – zweistellige Jahresrenditen 2023 und 2024 sind eher die Ausnahme als die Regel. Ein Rücksetzer war aus valuationstechnischer Sicht also nicht ungesund, zumal viele unerfahrene Anleger nach den jüngsten Boomjahren Nervosität entwickelten, als die Kurse nun erstmals wieder deutlicher fielen. Historisch betrachtet sind solche Korrekturen von −10 % oder mehr im Laufe längerer Aufwärtstrends normal und sogar notwendig, damit sich Überhitzungen abbauen.

Gleichzeitig warnen Pessimisten, dass die aktuelle Entwicklung durchaus das Potenzial für eine tiefergehende Krise birgt – abhängig vom weiteren Verlauf. Sollte sich der Handelskrieg weiter hochschaukeln und in eine gegenseitige Spirale aus Zöllen und Gegenmaßnahmen münden, könnten die weltweiten Lieferketten und Gewinne deutlich beeinträchtigt werden. In einem solchen Worst-Case-Szenario würde aus der Korrektur womöglich ein Bärenmarkt mit anhaltend fallenden Kursen, möglicherweise begleitet von einer globalen Rezession. Noch ist es allerdings zu früh für ein endgültiges Urteil. Derzeit handelt es sich um einen scharfen Einbruch innerhalb weniger Tage, der zwar außergewöhnlich ist, aber in seinem Ausmaß (bislang rund 10–15 % vom letzten Hoch bei vielen Indizes) vergleichbar mit früheren Korrekturphasen. Ob daraus ein längerfristiger Abwärtstrend wird, hängt von den kommenden Wochen ab. Entscheidend dürfte sein, ob die politischen Entscheider und Notenbanken Wege finden, den Schock abzumildern – oder ob weitere negative Überraschungen folgen. Unterm Strich sehen viele Analysten die aktuellen Turbulenzen (noch) als Teil einer „normalen“ Marktkorrektur, die nach langen Kursgewinnen fällig war, aber sie behalten die Risiken einer möglichen Krise genau im Blick.

Mögliche Szenarien für die kommenden Wochen

Die Unsicherheit bleibt hoch, doch lassen sich mehrere Szenarien skizzieren, wie es an den Märkten kurzfristig weitergehen könnte:

  • Technische Gegenbewegung (Rebound): Nach dem schnellen Ausverkauf ist eine technische Erholung durchaus möglich. Oft folgen auf panikartige Verlauftage einige Tage der Beruhigung oder sogar eine deutliche Bodenbildung mit Kurserholung („Dead-Cat-Bounce“). Dafür spricht, dass viele Aktien nun kurzfristig überverkauft wirken – Schnäppchenjäger und kurzfristige Trader könnten versuchen, die niedrigen Kurse für antizyklische Käufe zu nutzen. Bereits in den aktuellen Kommentaren schwingt etwas Hoffnung mit: Einige Investoren werten Trumps mittlerweile konkrete Zoll-Ankündigungen als das Abschlusskapitel einer wochenlangen Drohung und fragen sich, ob nun nach dem Motto „Sell on Rumor, Buy on News“ wieder Einstiegschancen entstehen. Sollte es in den nächsten Tagen zu keinen weiteren Eskalationen kommen, könnten die Börsen zunächst einen technischen Rebound hinlegen. Allerdings dürfte eine mögliche Erholung vorerst nur einen Teil der Verluste wettmachen und von nervöser Volatilität begleitet sein. Jeder Tweet oder neue Nachricht zum Handelsstreit kann diese fragile Erholung jederzeit wieder brechen.


  • Neue Tiefstände und anhaltende Schwäche: Ebenfalls wahrscheinlich ist, dass die Märkte zunächst weiter nach unten testen. Charttechnisch wurden wichtige Unterstützungsmarken gerissen – etwa beim DAX die Zone um 22.000 Punkte. Analysten warnten bereits, dass ein nachhaltiges Unterschreiten der Schlüsselzone zwischen 22.407 und 22.125 Punkten weiteres Abwärtspotenzial von rund 1.200 Punkten eröffnen könnte. Dieses Szenario scheint sich teilweise zu realisieren. Auch an der Wall Street nähern sich Indizes kritischen Marken; so flirtet der S&P 500 mit seinen Jahrestiefständen. Sollten die Zölle und möglichen Gegenzölle (etwa aus der EU oder China) in den kommenden Wochen konkret umgesetzt werden, könnte eine zweite Panikwelle an den Börsen einsetzen. In diesem pessimistischen Szenario wären neue Jahrestiefs und eine Ausweitung der Korrektur in den Bereich eines echten Crashs nicht ausgeschlossen. Insbesondere dann, wenn parallel Konjunkturdaten enttäuschen oder andere Schocks (z.B. politische Krisen) hinzukommen, könnten die Börsen noch deutlich tiefer sinken, bevor sich ein stabiler Boden findet.


  • Seitwärtsphase und Suche nach Orientierung: Zwischen Rally und weiterem Ausverkauf liegt ein Mittelszenario, in dem die Märkte in eine volatile Seitwärtsbewegung übergehen. In diesem Fall würden sich Käufer und Verkäufer zunächst die Waage halten, während man auf neue Signale wartet. Eine solche Phase könnte eintreten, wenn zwar die erste Schockstarre überwunden ist, aber für einen nachhaltigen Aufschwung noch Vertrauen fehlt. Hinweise auf mögliche Entspannung im Handelsstreit – etwa erste Verhandlungen oder Kompromissandeutungen – könnten dann punktuell für Aufwärtsimpulse sorgen, während enttäuschende Nachrichten erneut Abgaben auslösen. Diese “Pendelfase“ wäre geprägt von nervösen Ausschlägen in beide Richtungen, aber ohne klaren Trend, bis mehr Klarheit über den wirtschaftlichen Impact der Zölle herrscht. Viele Marktteilnehmer dürften in diesem Szenario ihre Positionen vorerst reduzieren und an der Seitenlinie auf bessere Zeiten warten.


In der Realität könnten Elemente all dieser Szenarien auftreten: Ein kurzzeitiger Rebound gefolgt von erneutem Abrutschen, oder umgekehrt ein nochmaliger Sell-off mit anschließend starker technischer Gegenreaktion. Viel hängt von der Nachrichtenlage ab – insbesondere ob und wie die betroffenen Handelspartner der USA (Europa, China & Co.) auf die Zölle reagieren. Sollten beispielsweise zügig Gegenmaßnahmen verkündet werden, ist eine erneute Belastungsprobe wahrscheinlich. Umgekehrt könnten moderatere Töne aus Washington oder Fortschritte in anderen Konfliktfeldern (etwa eine Entspannung in geopolitischen Krisen) den Märkten etwas Luft verschaffen. Auch Notenbank-Entscheidungen rücken in den Fokus: Bleibt die Fed nun tatsächlich still oder signalisiert die EZB zusätzliches Entgegenkommen, könnte dies als Stütze wirken. Kurzfristig ist jedoch klar: Die Börsen bleiben vorerst anfällig und schwankungsreich, bis ein neuer Gleichgewichtspreis für die veränderten Rahmenbedingungen gefunden ist.

Handlungsempfehlungen: Was Anleger jetzt tun sollten

Vor dem Hintergrund dieser Gemengelage stellt sich für viele Anleger die Frage nach der richtigen Strategie. Wichtig ist hierbei zwischen kurzfristigen Tradern und langfristig orientierten Investoren zu unterscheiden, da die Vorgehensweise je nach Zeithorizont unterschiedlich ausfallen sollte.

  • Kurzfristige Trader: Für kurzfristig agierende Marktteilnehmer bietet die aktuelle Volatilität zwar Chancen, erfordert aber ein diszipliniertes Vorgehen. Daytrader und Swing-Trader, die erfahren im Umgang mit schnellen Marktbewegungen sind, könnten versuchen, von übertriebenen Ausschlägen zu profitieren – sei es durch antizyklisches “Buy the Dip“-Trading oder durch kurzfristige Short-Positionen. Dabei gilt es jedoch strikt Risikomanagement zu betreiben: enge Stop-Loss-Limits und ein wachsames Auge auf News-Ticker sind unerlässlich. Wer auf eine technische Erholung setzt, sollte sich der Gefahr bewusst sein, dass ein vermeintliches Schnäppchen sich als „fallendes Messer“ entpuppen kann. Das Timing des Tiefpunkts ist nahezu unmöglich exakt zu treffen, daher empfehlen Experten ggf. gestaffelte Einstiege statt All-in-Wetten. Grundsätzlich gilt: Nur erfahrene Trader sollten sich in diesem hochvolatilen Umfeld an spekulative Manöver wagen. Weniger geübten Akteuren ist eher Zurückhaltung angeraten – an der Seitenlinie zu bleiben, bis sich ein klareres Trendbild zeigt, ist keine Schande. In Phasen wie diesen kann bereits das Kapital erhalten zu haben als Erfolg gelten.


  • Langfristige Anleger: Für langfristig orientierte Investoren (mit Anlagehorizont von vielen Jahren) ist die Devise meist ruhiger. Historische Erfahrungen zeigen, dass sich die Aktienmärkte trotz zwischenzeitlicher Rückschläge immer wieder erholt haben. Panikverkäufe inmitten eines Kurseinbruchs sind daher selten eine gute Idee – sie würden nur bereits realisierte Buchverluste zementieren. Wer seine Geldanlage auf zehn und mehr Jahre ausgerichtet hat, sollte in der Regel “die Nerven bewahren“ und an seiner Strategie festhalten. Für Privatanleger mit einem langfristigen Anlagehorizont ist das Aussitzen von Kurs-Turbulenzen oft die beste Strategie. Konkret heißt das: Solange sich an den fundamentalen Aussichten der gehaltenen Unternehmen nichts dramatisch verändert hat, besteht meist kein Anlass, überstürzt zu verkaufen. Im Gegenteil, manche Börsenlegenden raten, in Phasen der Angst selektiv nachzukaufen – gemäß Warren Buffetts Motto, man solle „Aktien kaufen, wenn andere ängstlich sind“. Allerdings ist auch für Langfrist-Anleger Timing schwierig, deshalb kann es sinnvoll sein, freie Liquidität schrittweise zu investieren, um fallende Kurse für einen günstigen Durchschnittseinstieg zu nutzen. Wichtig ist, die persönliche Risikotoleranz zu kennen: Wer nachts nicht mehr ruhig schläft, weil das Depot zu stark schwankt, sollte vielleicht die Aktienquote überdenken – idealerweise jedoch in ruhigeren Zeiten, nicht mitten im Sturm.


Zusammengefasst lautet der Rat der Finanzprofis: Keine Panik. Ein schneller Ausstieg in turbulenten Marktphasen erfolgt oft zum ungünstigsten Zeitpunkt und verpasst anschließend die Erholung. Stattdessen sollten Anleger ihr Portfolio überprüfen, aber besonnen handeln. Kurzfristig orientierte Trader können die hohe Volatilität nutzen, müssen aber konsequent absichern. Langfristige Anleger hingegen tun gut daran, die aktuelle Phase als das zu betrachten, was sie historisch meistens ist: ein temporärer Marktrücksetzer, der zwar schmerzhaft ausfallen kann, aber eben auch Chancen bietet und langfristig wieder ausgeglichen wird. Wer breit diversifiziert ist und Qualitätsaktien im Depot hat, kann sich in der Regel zurücklehnen und abwarten, bis sich der Nebel lichtet. In Panik zu verkaufen lohnt sich meist nicht – Abwarten und Aussitzen haben sich über die Jahrzehnte an der Börse vielfach bewährt.

Die Aktienmärkte erleben derzeit einen außergewöhnlich heftigen Dämpfer, doch noch ist unklar, ob daraus ein langer Abschwung wird oder nur eine heftige, aber kurze Korrektur. Mit kühlem Kopf, einer klaren Strategie und einem Blick auf die fundamentalen Fakten können Anleger diese stürmische Phase jedoch meistern – so, wie es die Märkte am Ende bisher noch immer getan haben.



Quellen:


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Kleo AI

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